Zusammenhang zwischen Antibiotikaprophylaxe und Endophthalmitis nach intravitrealer injektion:
Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse
Die systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse untersuchte den Zusammenhang zwischen topischer Antibiotikaprophylaxe und dem Auftreten einer Endophthalmitis nach intravitrealer Injektion.
Die Autoren durchsuchten systematisch die Datenbanken PubMed, Embase und Cochrane Library und schlossen insgesamt 18 Studien mit 3.138.778 intravitrealen Injektionen und 1.426 Endophthalmitis-Fällen in ihre Analyse ein. Die Studienqualität wurde mittels der Newcastle-Ottawa-Skala bewertet, und die gepoolten Schätzwerte wurden mit einem Random-Effects-Modell berechnet.
Die Metaanalyse zeigte keinen signifikanten Unterschied in der Endophthalmitis-Inzidenz zwischen der Gruppe mit Antibiotikaprophylaxe und der Gruppe ohne Prophylaxe (Odds Ratio 1,85; 95% KI 0,72–4,76; p=0,2).[1] Auch bei der mikrobiologischen Analyse von 11 Studien fand sich kein signifikanter Unterschied in den kulturpositiven Raten zwischen beiden Gruppen (OR 1,23; 95% KI 0,53–2,84; p=0,63).[1] Hinsichtlich der Sehschärfe zeigte die Antibiotikagruppe eine nicht-signifikante Verschlechterung um 4,5 ETDRS-Buchstaben im Vergleich zur Gruppe ohne Prophylaxe.
Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass topische Antibiotika weder das Endophthalmitis-Risiko senken noch die visuellen Ergebnisse nach intravitrealer Injektion verbessern. Angesichts potenzieller Risiken wie Antibiotikaresistenzen wird eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe nicht empfohlen.
Diese Ergebnisse stimmen mit den aktuellen Leitlinien der American Academy of Ophthalmology überein, die ebenfalls von einer routinemäßigen Antibiotikagabe vor oder nach intravitrealen Injektionen abraten.
Quellen:
Liu X, Li P, Wang J, Song Z. Association between antibiotic prophylaxis and endophthalmitis after intravitreal injection: A Systematic Review and Meta-Analysis. Retina. 2026 Apr 1;46(4):566-574.