Special AAO Report: Empfehlungen zum Screening auf Hydroxychloroquin-Retinopathie (Revision 2025)

Die AAO-Revision 2025 zur Früherkennung der Hydroxychloroquin-Retinopathie (Marmor et al., veröffentlicht in Ophthalmology 2026) stellt eine Aktualisierung der fast zehn Jahre alten Leitlinien von 2016 dar.

Baseline-Untersuchung und Screening-Zeitpunkt:
Eine vollständige Ausgangsuntersuchung einschließlich OCT und Fundusautofluoreszenz (FAF) wird dringend kurz nach Beginn der HCQ-Therapie empfohlen, um vorbestehende Erkrankungen auszuschließen und eine Vergleichsbasis für zukünftige Befunde zu schaffen. Während der HCQ-Therapie wird ein jährliches Screening empfohlen, kann jedoch in den ersten 5 Jahren aufgeschoben werden, wenn keine wesentlichen Risikofaktoren vorliegen.

Die Risikofaktoren bleiben unverändert:
hohe Tagesdosis (>5 mg/kg /kg Körpergewicht), eine Niereninsuffizienz (die zu erhöhten systemischen HCQ-Spiegeln führt, da der Wirkstoff renal ausgeschieden wird) sowie die gleichzeitige Einnahme von Tamoxifen (das selbst retinotoxisch ist und das Risiko einer Retinopathie erhöht).

Primäre Screening-Methoden:
Eine wesentliche Änderung gegenüber früheren Leitlinien besteht darin, dass makuläre OCT und großflächige FAF nun die primären Screening-Methoden darstellen, während automatisierte Gesichtsfelduntersuchungen (VF) aufgrund ihrer Subjektivität und variablen Zuverlässigkeit nicht mehr als primäre Methode empfohlen werden. VFs und multifokale Elektroretinographie (mfERG) bleiben wichtige ergänzende bzw. bestätigende Tests bei unklaren OCT- oder FAF-Befunden. Neuere VF-Algorithmen wie 24-2C ermöglichen die Untersuchung sowohl parafovealer als auch perizentraler Bereiche.

Aktualisierte OCT-Zeichen früher Toxizität:
Die Leitlinien enthalten eine erweiterte Beschreibung der OCT-Befunde. Frühstadien zeigen sich als Ausdünnung der äußeren Netzhautschichten, nachweisbar mittels ETDRS-Dickenrastern oder en-face-Dickenkarten, oft Jahre bevor Auffälligkeiten im B-Scan sichtbar werden. Zwischenstadien umfassen eine fokale Ausdünnung des Bereichs zwischen Ellipsoidzone (EZ) und retinalem Pigmentepithel (RPE), das Verschwinden der Interdigitationszone (IZ) sowie das charakteristische „Bright-Line“-Zeichen in der Fovea. Es folgen eine fortschreitende Fragmentierung und ein Verlust der EZ; eine Störung der externen Grenzmembran (ELM) kennzeichnet ein fortgeschrittenes Stadium mit erheblichem Progressionsrisiko selbst nach Absetzen von HCQ.

Ethnische Unterschiede im Schadensmuster:
Die Revision betont, dass bei europäischen Patienten vorwiegend parafoveale Toxizität auftritt, während ostasiatische Patienten typischerweise perizentrale (extramakuläre) Schäden nahe der Gefäßarkaden zeigen. Auch bei schwarzen Patienten besteht eine stärkere Tendenz zu perizentralen Veränderungen. Ein moderater Anteil der Patienten in jeder Gruppe kann jedoch abweichende oder gemischte Muster zeigen, weshalb bei allen Patienten eine weiter gefasste Bildgebung erforderlich ist.

Quellen:
Marmor MF, Ahn SJ, Ehlers JP, Melles RB, Mieler WF, Sarraf D, Yusuf IH; American Academy of Ophthalmology. Special AAO Report: Recommendations on Screening for Hydroxychloroquine Retinopathy (2025 Revision). Ophthalmology. 2026 Apr;133(4):439-450. doi: 10.1016/j.ophtha.2025.11.001. Epub 2025 Nov 11. PMID: 41232611.