Nutzung sozialer Medien und jugendliche Gehirnstruktur: Ergebnisse der ABCD-Studie (Adolescent Brain Cognitive Development)
Die Studie von Nagata et al., veröffentlicht in NeuroImage (2026), untersuchte den Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und der Gehirnstruktur bei 7.614 Jugendlichen im Alter von 10–13 Jahren aus der ABCD-Studie anhand struktureller MRT-Daten aus Jahr 2 (2018–2020). Die Studie ergab, dass eine längere tägliche Nutzung sozialer Medien signifikant mit einer geringeren gesamten kortikalen Dicke und einem geringeren Volumen in mehreren Hirnregionen assoziiert war, darunter der präfrontale Kortex, der Temporallappen, der Okzipitallappen und der Parietallappen. Diese Regionen überschneiden sich mit zentralen Knoten des Default-Mode-Netzwerks, präfrontalen exekutiven Kontrollnetzwerken sowie Netzwerken für visuelle Verarbeitung und Aufmerksamkeit. Interessanterweise zeigten sich diese Zusammenhänge bei der Anzahl der täglich verbrachten Stunden in sozialen Medien, während Werte für Social-Media-Abhängigkeit in der regionsspezifischen Analyse nicht signifikant mit Unterschieden in der Gehirnmorphologie assoziiert waren. Die ABCD-Studie selbst stellt die größte longitudinale Untersuchung zur Gehirnentwicklung in den Vereinigten Staaten dar und begleitet etwa 11.875 Jugendliche an 21 Standorten mit umfangreichen neurobildgebenden, kognitiven, verhaltensbezogenen und umweltbezogenen Messungen. Zu den Einschränkungen zählt das Design in Jahr 2, das keine Aussagen über Kausalität oder Richtung des Zusammenhangs zulässt—die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass „zukünftige Studien erforderlich sind, um die Richtung dieses Zusammenhangs zu bestimmen“. Die Studie kann nicht klären, ob die Nutzung sozialer Medien zu einer verringerten kortikalen Dicke führt oder ob Jugendliche mit bestimmten Hirnmerkmalen eher zu intensiver Nutzung sozialer Medien neigen. Darüber hinaus basierte die Nutzung sozialer Medien auf Selbstauskünften, was zu Erinnerungsverzerrungen führen kann. Die Studie untersuchte außerdem nicht spezifische Arten von Social-Media-Inhalten oder -Aktivitäten, die unterschiedliche Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung haben könnten.
Quellen:
Nagata JM, Bao K, Murray SB, Nedelec P, Richardson RA, Nayak S, Li EJ, Wong JH, Muller-Oehring EM, Scheffler A, Baker FC, Rauschecker AM, Sugrue LP. Social media use and early adolescent brain structure: Findings fromthe Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD) Study. Neuroimage. 2026 May 1;331:121860. doi: 10.1016/j.neuroimage.2026.121860. Epub 2026 Mar 12. PMID: 41831540; PMCID: PMC13055894.