Das Wort hat der Präsident
Liebe Kolleginnen und Kollegen
Geschätzte Mitglieder
Der zweite Newsletter der SAoO liegt vor Ihnen.
Das letzte Mal blickten wir zurück. Heute blicken wir voraus.
Albert Einstein bemerkte schon einmal, dass Prognosen mit viel Unsicherheit belastet seien, besonders, wenn sie die Zukunft beträfen.
Tatsächlich ist eine gute Zukunftsplanung ganz offensichtlich immer schwieriger geworden, das sieht man in der Politik, in der Zonenplanung auf Gemeindeebene, in Forschungsabteilungen und eben auch in der Ophthalmologie, auch, was die Kongresslandschaft und Fort- und Weiterbildung angeht.
Die SOG und die SAoO führen Gespräche. Wir möchten keine Doppelspurigkeiten und keine überbordende Kongresslandschaft.
Eine klare Aufgabenteilung zwischen den Institutionen ist das erklärte Ziel.
Die SAoO hat deshalb die Fachhochschule Ostschweiz mit einer gesamtschweizerischen Evaluierung der Fortbildungsbedürfnisse beauftragt.
Es wird deshalb Ihnen in nächster Zeit ein entsprechendes E-Mail mit einem Fragebogen begegnen. Wir sind absolut darauf angewiesen, dass möglichst viele diesen Fragebogen gründlich studieren und seriös ausfüllen. Das Resultat wird nicht nur jedem einzelnen, sondern vor allem auch unseren Young Ophthalmologists von grossem Nutzen sein.
Ausserdem machen wir darauf aufmerksam, dass der Ausbau der Service-Leistungen für Mitglieder stetig voranschreitet. So steht für Fragen zu Krankenkassen-Problemen nun auch Dr. med. Beat Kipfer zur Verfügung: Fragen an ihn können Sie über hcins@saoo.ch richten (die komische Abkürzung steht für «health care insurance»).
Die Polemik um Wissenschaft, Käuflichkeit von Wissenschaftern, Cancel Culture und persönliche Diffamierung angesehener Wissenschafter nimmt zu, wird allerdings auch – nicht nur von den Medien – angeheizt. Die Geschichte um Prof. Francesco Maisano ist ja nur eines von vielen Beispielen, und tragischerweise einmal mehr durch die Verbandelung verschiedenster Interessen ein Fall mehr an der Universitätsklinik Zürich, die immer wieder von solchen «blöden» Skandalen erschüttert wird. «Die Wissenschaft» ist daran natürlich nicht unbeteiligt. Es gibt einen Trend, den philosophisch begabte Scientologen als Verfall der Wissenschaft in den Szientismus bezeichnen.
Die Tragik, dass die Politik (oder die Kirche, oder «die Gesellschaft») bestimmt, was die Wissenschaft zu sagen hat, ist jedoch alt (schon Paracelsus wurde verurteilt, nicht aber seine Richter werden heute geehrt), sie nimmt jedoch erneut Fahrt auf. Gender-Politikerinnen verunglimpfen angesehene Biologinnen und verbieten ihnen Vorträge, an denen sie die Zweigeschlechtlichkeit anhand vieler Beispiele in der Tier- und Pflanzenwelt erläutern. Bezichtigen sie gar der Illegalität, sie seien nicht legitimiert. Wo sind wir gelandet? Die Tatsache, dass die Menschheit (die menschliche Gesellschaft) in einem langen Prozess beschlossen hat, die Würde des Menschen sei unantastbar, führt zu ganz komischen Trugschlüssen: Ein Transmensch darf sich beleidigt fühlen, wenn jemand über die in der Natur tatsächlich vorhandene binäre Programmierung spricht, ein Wissenschafter darf aber gedemütigt oder gar bestraft werden, wenn er über klare wissenschaftliche Erkenntnisse spricht? Eine Regierung darf ein Demokratie-Fördergesetz erlassen, um den Bürgern vorschreiben zu können, was demokratisch ist und was nicht?
Das hatten wir übrigens alles schon mal, und es erschüttert mich, dass ganz offensichtlich sehr viele Mitmenschen nicht erkennen, was da gerade passiert und wie übel die Geschichte sich schon wieder zu wiederholen beginnt. Ah ja, und Schulden werden plötzlich zu Sondervermögen. Die Vorzeichen sind manchmal anders, das Resultat ist dasselbe. Cavete!
Manchmal täte uns ein bisschen mehr Bewusstheit ganz gut. Doch das ist ein anderes Thema, auf das ich gerne später einmal zu sprechen komme. Ich habe schon wieder viel zu viel kritisiert. Nehmen Sie es gelassen, geniessen Sie die Beiträge in diesem Newsletter und ausserdem die spätfrühlingshafte Natur, nach den Eisheiligen, die dieses Jahr kräftig zugeschlagen haben.
Herzlich
Dietmar Thumm
Präsident Swiss Academy of Ophthalmology
