Bewertung des Malignitätsrisikos nach okulären Herpesinfektionen

Mihalache et al. untersuchten in einer retrospektiven, gematchten Kohortenstudie anhand longitudinaler Daten des National Institutes of Health All of Us Research Program, ob nach einem Herpes zoster ophthalmicus (HZO) oder einer okulären Herpes-simplex-Virus-(HSV)-Infektion ein erhöhtes Malignitätsrisiko besteht.
Die Analyse umfasste 327 Patienten mit HZO, die mit 981 Kontrollpersonen gematcht wurden, sowie 292 Patienten mit okulärer HSV-Infektion, die mit 876 Kontrollpersonen verglichen wurden. Insgesamt zeigte sich weder nach HZO noch nach okulärer HSV-Infektion ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer malignen Erkrankung im kurz- oder langfristigen Verlauf im Vergleich zu den jeweiligen Kontrollgruppen.

Bei Patienten mit bereits bestehender Immundysregulation infolge einer Autoimmunerkrankung oder eines Immundefekts war HZO jedoch mit einem etwa dreifach erhöhten Risiko für eine nachfolgende Krebserkrankung assoziiert.

Zu den Limitationen der Studie zählen die begrenzte statistische Aussagekraft für detaillierte Subgruppenanalysen sowie mögliche Verzerrungen durch Fehlklassifikationen und nicht erfasste Störfaktoren. Insgesamt kommen die Autoren zu dem Schluss, dass okuläre Herpesinfektionen in der Allgemeinbevölkerung keine verlässlichen klinischen Marker für ein erhöhtes Malignitätsrisiko darstellen. Bei Patienten mit vorbestehender Immundysregulation könnte der beobachtete Zusammenhang zwischen HZO und einem erhöhten Krebsrisiko jedoch eine engmaschigere onkologische Überwachung rechtfertigen.

Quellen:
Mihalache A, Huang RS, Popovic MM, Chan CC. Malignancy Risk after Ophthalmic Herpes Infection within a Diverse United States Cohort. Ophthalmology. 2026 Aug;133(8):942-949. doi: 10.1016/j.ophtha.2026.03.029. Epub 2026 Apr 9. PMID: 41966483; PMCID: PMC13179566.